Sommerhaus Carus

Das Pillnitzer Landhaus von Carl Gustav Carus

Während der Sommermonate pflegte die königliche Familie in ihrem Lustschloss Pillnitz zu wohnen. In dieser Zeit hatte sich auch Carus in seinem Amt als königlicher Leibarzt hier aufzuhalten. Er wohnte dann im Südflügel des gerade erst (1826) fertiggestellten Neuen Schlosses mit Blick auf Strom und Elbinsel. Da ihm jedoch die damit verbundene allsommerliche Trennung von seiner Familie nicht behagte, sah er sich nach einer eigenen Behausung um, die ihm ein vom Hof unabhängiges Wohnen ermöglichen sollte. „Und so traf es sich glücklich genug,“ - so schreibt Carus in seinen Erinnerungen - „das diesmal gerade das Frühjahr (1832) uns nach Pillnitz rief, wo ich eben ein kleines Landhaus für mäßige Summe käuflich an mich gebracht hatte, dessen Einrichtung und einfache Verzierungdenn nur etwas mehr Bewegung ins Leben bringen musste.“ Das ursprünglich nur zweigeschossige Häuschen hat er später (1852) um ein Stockwerk erhöhen lassen , „damit ich künftig nicht so abhängig vom Dienst da draußen bin und da wohnen kann, solange der Magnet dieser lieblichen Landschaft mich halten will“ (An Regis 9.9.1852). Carus hat sein Pillnitzer Landhaus am Rande des Schlossparks in ländlicher Stille bis hin ins hohe Alter bewohnt und geliebt.

Wer war Carus?

Carl Gustav Carus, am 3. Januar 1789 in Leipzig geboren, war als Naturforscher, Arzt, Philosoph und Künstler eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des sächsischen Geisteslebens im 19. Jahrhundert. Bereits mit 22 Jahren hatte er sich zwei Doktortitel an der Leipziger Universität erworben und hielt Vorlesungen über vergleichende Anatomie. 1814 wurde er als Professor für Geburtshilfe und Leiter der Entbindungsklinik nach Dresden berufen, wo er 1815 die Chirurgisch-Medizinische Akademie mitbegründete. 1827 ernannte ihn König Anton zu einem seiner Leibärzte.

Neben seiner wissenschaftlichen und ärztlichen Tätigkeit beschäftigte sich Carus von Jugend auf mit der Malerei. Mit Caspar David Friedrich und Johann Christian Dahl befreundet, schuf er ein landschaftliches (Euvre, das von der Romantik zu einem malerischen Realismus hinüberleitet. Seine Bilder werden bis heute hoch geschätzt. Seine Kunsttheoretischen Erkenntnisse und Überzeugungen legte er in »Neue Briefe über Landschaftsmalerei« (1819-1831) nieder.

Aus der langen Liste seiner Veröffentlichungen ragen besonders heraus sein »Lehrbuch der Zootomie« (1818), »Lehrbuch der Gynäkologie« (1820), »Grundzüge der vergleichenden Anatomie und Physiologie« (1828), »Psyche. Zur Entwicklungsgeschichte der Seele« (1846) und »Symbolik der menschlichen Gestalt« (1853). Carus gehört zu den Begründern der Tiefenpsychologie.

Goethe, mit dem ihn enge geistige Beziehungen verbanden, schätzte Carus als universalen Denker und vielseitig schöpferischen Menschen. Carus starb am 28. Juli 1869 in Dresden.

Dr. Hans Joachim Neidhardt

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